Vereinschronik

Die Anfänge der Stadtkapelle Monheim reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück. 1462 ließen die Stadtväter Monheims einen Tanzsaal errichten, der für Feste und Empfänge bekannter Persönlichkeiten der damaligen Zeit genutzt wurde. In diesem Zusammenhang wurden zum erstenmal die Stadtmusikanten von Monheim erwähnt.

Diese Musikanten standen unter der Obhut der sogenannten Stadttürmer, die die 1. Violine spielten. Diese wiederum wurden vom kleinen Jurastädtlein besoldet und mussten dafür mit einer Mindeststärke von zehn Mann an Fronleichnam, den drei christlichen Festen (Ostern, Pfingsten, Weihnachten) und an den Jahreswechseln musizieren. Geführt wurden die Streicher und Bläser von einem erwählten Stadttürmer. Die Stadt gestattete den Musikern Nebenverdienste auf Kindstaufen, Hochzeiten, Jahrtagen der Handwerkszünfte, Kirchweihen und Fastnächten einzuspielen.

Der erste namentlich genannte und bekannte Stadttürmer war der um 1600 lebende Jörg Mech, der nur einige wenige Musiker unter sich hatte. Der vorletzte Stadttürmer, Josef Lippert 1816, half neben den Aufgaben als 1. Violinist auch als Lehrer an der hiesigen Schule Monheims aus. Es war keine Seltenheit, dass Stadttürmer zugleich Musikanten und Lehrer in einer Person waren, wie auch der im Archiv niedergeschriebene Josef Beßinger, der Ludimagistrat und Lateinlehrer war. Als Nachfolger Josef Lipperts folgte dessen Sohn Markus Lippert, der 1854 als letzter Stadttürmer der Kleinstadt verstarb. 1855 übernahm dann die Witwe von Markus Lippert gemeinsam mit dem aus Lauingen stammenden Verweser Georg Schmied die Verwaltung der Stadttürme. Einige Monate später wurde das Amt durch die Stadtverwaltung aufgelöst.

Um den Fortbestand der Musik in Monheim zu sichern, stellte die Stadt den zu dieser Zeit als Lehrer angestellten Herrn Sontheimer als 1. Violinist und Ausbilder für angehende Musiker in Dienst. Leiter der um 1855 bestehenden Kapelle wurde der Handelsmann Rosenwirt Josef, der durch die Stadt Monheim zum Musikdirektor ernannt wurde. Aus dieser Zeit sind uns die Namen einiger Musikusse bekannt, die unter der Leitung des Herrn Rosenwirt musizierten: Kleinle Michael, Baumann Mathias, Meyer Michael, Wachtler Sebastian und Honigel Andreas.

Im gleichen Jahr gab Josef Rosenwirt aus ungeklärten Gründen sein Amt an die Stadtverwaltung zurück. Danach folgte eine Zeit ohne zuständigen Orchesterleiter, die am 10.11.1856 durch den neuernannten Stadtmusikus Georg Schmied „ehemaliger Stadttürmer“ beendet wurde.

Das Archivdokument aus dem Jahre 1856 überträgt Georg Schmied die Rechte und Pflichten eines von der Stadt angestellten Stadtmusikusses. Er unterrichtete Gesang und lehrte das Spielen von Musikinstrumenten. Am 10.11.1856 begann für die Stadtkapelle Monheim die lückenlose Zusammenstellung ihrer Geschichte bis zum heutigen Tage. 1858 wurde Georg Schmied von seinem Sohn Otto Schmied abgelöst, der vier Jahre später zur Militärmusik überwechselte.

Die Aufgaben des Stadtmusikusses wurden nun an den Sohn von Ludwig Schmied und an Andreas Honigel jahrelang Musiker unter Lehrer Sontheimer weitergegeben.

Jedoch die Partnerschaft der beiden hielt nur für ein Jahr. Danach übernahm Honigel am 27.12.1894 die alleinige Leitung der Kapelle bis zu seinem Tode im Jahre 1912.

Ein aus dem Militärdienst ausscheidender Soldat, August Giehl, trat an die Stelle des Verstorbenen. Ihm wurden ebenfalls die Aufgaben der Orchesterleitung – zu diesem Zeitpunkt 25 Mann und der Jugendausbildung zuteil. Ein Zeitgenosse des Herrn Giehl, der unter seiner Leitung musizierte, war der am 17.10.1893 in Monheim geborene Xaver Geiger. Aus einem 1973 geführten Gespräch mit Herrn Geiger geht hervor, dass die damalige Kapelle sehr bekannt war und die Musiker hohes Ansehen genossen. In den Kriegsjahren 1914 – 1918 wurde das Musikspielen aufrechterhalten. 1941 verstarb August Giehl.

Sein Amt übernahm der Militärmusiker Karl Hirnschal, der seit 1907 Mitglied der Stadtkapelle war. Zwei Jahre später übernahm der Finanzbeamte und Ex-Militärmusiker Weichenrieder Michael den Taktstock, da Herr Hirnschal aus gesundheitlichen Gründen abdankte.

Während des zweiten Weltkrieges wurde nur zu Heldenehrungen, Standkonzerten sowie zu weltlichen und christlichen Umzügen gespielt. Nach Kriegsende legte auch Herr Weichenrieder wegen Krankheit das Dirigentenamt nieder. Neuer Leiter wurde der schon seit 13 Jahren der Stadtkapelle angehörende Josef Spenninger.

Alte Kameraden, die schon vor dem Kriege Mitglieder der Stadtkapelle Monheim waren, schlossen sich dem Altmeister an, so dass eine kleine Truppe entstand, die aber keine großen Geschäfte mehr wie vor dem Krieg übernahm, sondern nur in Monheim auf Hochzeiten, zu Fasching, an Prozessionen und Standkonzerten aufspielte. Herr Spenninger sen. leitete die Kapelle bis zum Jahre 1962 und beendete sein Wirken aus gesundheitlichen Gründen.

Bis zum Jahre 1966 war die Kapelle ohne festen Leiter, bis im Herbst der Enkel des Herrn August Giehl, Ernst Giehl, aus der Musikhochschule München kommend die Kapelle übernahm und sofort mit der Ausbildung junger Musiker begann.

Der Gedanke, die Stadtkapelle Monheim zu neuem Leben zu erwecken und neue Jungmusiker zu werben, wurde schon früher angestrebt, jedoch es fehlten die richtigen Mittel und Gönner. Auslöser für die Wiedergründung war die Laimbachtaler Jugendkapelle aus Gerach, die 1966 auf dem Volksfest in Monheim gastierte.

Noch im gleichen Jahr wurde mit dem Wiederaufbau der Kapelle in Monheim begonnen. Gönner und Freunde fanden die Mitglieder der Stadtkapelle bei der Stadt Monheim und den hiesigen Vereinen, die der Kapelle finanziell unter die Arme griffen.

Vieles verdankt die Stadtkapelle Monheim dem damaligen Kulturreferenten der Stadt Monheim, Stadtrat Anton Heueisen, der mit großem Engagement den Aufbau der Kapelle in jeder Hinsicht vorantrieb.

Mit einem ordentlichen Grundstock von Musikern wurde dann am 1. Mai 1967 die Stadtkapelle Monheim wiedergegründet. Die Gründungsmitglieder waren Alfred Bengelmann, Gerhard Egold, Ludwig Schneider, Erich Engelhard, Emil Giehl sen., Engelbert Scheller, Anton Heueisen, Ernst Giehl, Paul Meyer und Emil Giehl jun.

Noch im gleichen Jahr präsentierte sich die neue Stadtkapelle Monheim mit ihrem Dirigenten Gerhard Egold, Musikhochschüler in München, in der Öffentlichkeit, um weitere musikbegeisterte Jugendliche für die Kapelle zu gewinnen, da die Besetzung in manchen Registern doch noch ziemlich spärlich war.

Die Stadtkapelle Monheim reifte schnell zu einem wichtigen Kulturträger des Jurastädtleins, wie auch zu einem musikalischen Repräsentanten Monheims im In- und Ausland. Weltliche, wie kirchliche Feste fanden mit der wiedergegründeten Kapelle einen würdigen Rahmen.

Anfangs mussten sich die Musiker damit abfinden, bei Auftritten in ziviler Kleidung zu spielen. Doch ein Jahr darauf konnten sich die Mitglieder der Stadtkapelle Monheim in einer schmucken, jedoch noch provisorischen Uniform der Öffentlichkeit präsentieren.

Bereits 3 Jahre nach ihrer Gründung erreichte die Stadtkapelle unter der Leitung von Gerhard Egold beim Wertungsspiel in Wemding einen 1. Rang in der Unterstufe.

1970 wurde dann ein weiteres großes finanzielles Unterfangen in Angriff genommen; der Kauf neuer Uniformen und der Erwerb einer Verstärkeranlage für die Bierzeltmusik. Herr Bernreuther stiftete schon im vergangenen Jahr 30 Filzhüte. Mit weiteren großzügigen Spenden vom Kreis, der Stadt und den ansässigen Firmen der Stadt Monheim und privaten Spenden konnte der Kauf der Uniformen in kürzester Zeit verwirklicht werden. Die Uniform besteht aus einem schwarzen Filzhut mit Adlerfeder, einer roten Weste sowie einer blauen Jacke – beide mit Emblem der Stadtkapelle Monheim – , die die Kapelle ihren Mitgliedern zur Verfügung stellt. Der Rest wird aus Eigenleistungen der Musiker gekauft: ein weißes Hemd, schwarze Kniebundhose, weiße Kniestrümpfe und schwarze Haferl-Schuhe. Ihren ersten Auftritt mit neuer Tracht hatte die Stadtkapelle am Ostersonntag, den 11. April 1971.

1974 wurde der Stadtkapelle Monheim, als erste Kapelle im schwäbisch-oberbayerischen Raum, die vom Bundespräsidenten gestiftete „Pro-musica-Plakette“ samt Urkunde überreicht.

Daß es zu dieser hohen Auszeichnung kam, ist dem ehemaligen Schriftführer und heutigen Ehrenmitglied der Stadtkapelle, Ludwig Schneider, zu verdanken. Sein unermüdliches Schaffen machte es möglich, die erforderlichen 120 Jahre ununterbrochene Musiktradition, kulturelles Engagement in der Gemeinde und der Beweis eines musikalischen Programmes (Konzerte, Festlichkeiten) zusammenzutragen. Die Mühen hatten sich gelohnt; mit einem Einschreiben am 1. Januar 1974 an den 1. Vorsitzenden Alfred Bengelmann bestätigte der Empfehlungsausschuß des Bundesministeriums des Innern den Antrag auf die Verleihung der hohen musikalischen Auszeichnung an den Verein Stadtkapelle Monheim.

Die Verleihung der „Pro-musica-Plakette“ wurde im barocken Kaisersaal der Benediktinerabtei Ottobeuren vorgenommen. Herr Ludwig Schneider und der damalige zweite Bürgermeister Ernst Mutzel nahmen, in Vertretung der gesamten Stadtkapelle Monheim, Plakette und Urkunde aus den Händen des ASM-Präsidenten Georg Meyer und Ministerialrates Dr. Erich Stümmer entgegen.

Im September 1984 wurde der Grundstein für eine Jugendkapelle der Stadtkapelle Monheim gelegt. Es wurden 10 Jungen und 5 Mädchen in Ausbildung genommen. Nach intensiver Probenarbeit der einzelnen Ausbilder konnte Dirigent Robert Frick schon bei der Weihnachtsfeier 1984 einen ersten Auftritt mit der Jugendkapelle der Stadtkapelle Monheim wagen.

Bei der außerordentlichen Generalversammlung am 12. Dezember 1986 wurde die Eintragung der Stadtkapelle Monheim ins Vereinsregister beschlossen. Der Eintrag erfolgte am 23. März 1987. Im Jahr 1990 wurde die Gemeinnützigkeit beantragt und zum 07.09.1990 erteilt.

Das 5. Bezirksmusikfest des Bezirk 16 im Allgäu-Schwäbischen-Musikbund wurde vom 17. – 20.07.1992 von der Stadtkapelle Monheim e. V. ausgerichtet. Man konnte auf 25 Jahre seit der Wiedergründung und auf eine Musiktradition seit 1856 zurückblicken. Ein Festkonzert und die Wertungsspiele gingen einem wirklich gelungenen Festwochenende voraus. Unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Xaver Reinhard wurde auch ein Patenverein, die Vereinigte Musikkapelle Tapfheim, gefunden. Am Festsonntag musizierten über 1000 Musiker beim Gemeinschaftschor am Marktplatz.

Im September 1997 ging die Stadtkapelle Monheim für 14 Tage auf Tournee nach Brasilien. In Sao Bento do Sul wurde das alljährliche „Schlachtfest“ musikalisch umrahmt und in verschiedenen Städten wurden Konzerte gegeben.

Die Skypirinha-Band der Stadtkapelle Monheim wurde 1997 von Norbert Meyer gegründet. Das Repertoire der Big-Band-Formation erstreckt sich über Tanzmusik, Oldies bis hin zu aktuellen Top-Hits.

Am 12.11.2000 wurde eine große Neuwerbungsaktion in der Stadthalle veranstaltet. Es konnten 29 Jugendliche für eine Instrumentenausbildung gewonnen werden. Seit Februar 2002 musizieren die Musikschüler im Vororchester unter der Leitung von Günther Egold.

Für Kinder von 18 Monaten bis 6 Jahre bietet die Stadtkapelle Monheim seit November 2001 einen Musikgarten sowie musikalische Früherziehung an. Momentan nehmen ca. 40 Kinder dieses Angebot wahr.